Die Landschaft des Fertő-Gebiets und des Hanság zeigte vor den großen Entwässerungsarbeiten ein völlig anderes Bild als zur Zeit der Gründung des Nationalparks. Damals erstreckte sich hier eine zusammenhängende, rund 100.000 Hektar große Fläche aus Sümpfen, Mooren und Feuchtgebieten, durchzogen von kleinen Seen und sanften Erhebungen (sogenannten Gorondok).
Im Laufe der Jahrhunderte tauchte immer wieder der Gedanke auf, die Region zu entwässern und landwirtschaftlich nutzbar zu machen. Wesentliche Fortschritte erzielten diese Maßnahmen jedoch erst im 19. und 20. Jahrhundert. Schrittweise wurden die in den Hanság einmündenden Flüsse reguliert, und aus den tiefer liegenden Teilen des Beckens leitete man das Wasser über ein weit verzweigtes Kanalsystem ab.
Die periodischen Überschwemmungen des Neusiedler Sees wurden durch den zu Beginn des 20. Jahrhunderts errichteten Ringdamm am südöstlichen Ufer verhindert. Von hier aus setzt sich der Hanság-Hauptkanal – das bedeutendste wasserbauliche Bauwerk der Landschaftsregulierung – in westöstlicher Richtung fort und durchquert das gesamte Hanság-Gebiet. Der Ausbau des dazugehörigen Entwässerungsgrabennetzes, das das Wasser aus dem Hanság in diesen Hauptkanal ableitet, wurde erst zwischen 1958 und 1967 abgeschlossen.
Neben den wasserwirtschaftlichen Eingriffen prägte die durch den Vertrag von Trianon gezogene Staatsgrenze maßgeblich das Erscheinungsbild der Region, da sie sowohl den Hanság als auch den Neusiedler See zerschnitt. Dramatisch wurden die Folgen dieser Teilung, als die Grenze zugleich zur Trennlinie zweier politischer Weltsysteme wurde. Die jahrzehntelange Abschottung lockerte sich nur allmählich. Ende der 1970er-Jahre wurde die Einrichtung von Naturschutzgebieten – des Landschaftsschutzgebiets Neusiedler See und des Landschaftsschutzgebiets Hanság – möglich, um die verbliebenen natürlichen Werte zu bewahren.
Einen weiteren Meilenstein stellte der politische Systemwechsel dar, zeitgleich mit der Gründung des Nationalparks Neusiedler See (Fertő tó Nemzeti Park), der später mit dem Landschaftsschutzgebiet Hanság zusammengelegt wurde und so den heutigen Nationalpark Fertő–Hanság bildete. Mit der Errichtung des Nationalparks konnten zugleich die ersten Schritte zur Renaturierung jener Lebensräume unternommen werden, die zuvor durch Entwässerungsmaßnahmen verändert worden waren.
Die Umgebung von Mekszikópuszta bildete einst den Überflutungsbereich des Neusiedler Sees. Das bedeutet, dass die häufigen, starken Nordwestwinde das salzhaltige Wasser des Sees immer wieder über die nahezu ebene Landschaft trieben und so die Wasserzufuhr für die salzhaltigen Sümpfe sicherstellten. Diese natürlichen Überflutungen wurden durch den Bau des Ringdamms verhindert, wodurch die meisten hier brütenden Wasservogelarten verschwanden und sich die Vegetation zu verändern begann.
Die Bemühungen, den stark schwankenden Wasserstand des Neusiedler Sees zu stabilisieren, führten zu einer raschen Verlandung des Seebeckens. Das Schilf breitete sich aus und bildet heute einen breiten Gürtel entlang des Ufers. Dadurch ging die ursprüngliche, natürliche Ufervegetation verloren. Die Veränderung der Vegetationsstruktur schränkte zudem die Nist- und Nahrungsräume zahlreicher Wasservogelarten weiter ein.
Ziel der Rekonstruktion ist es, die periodischen Überflutungen mit sauberem Wasser des Neusiedler Sees wieder zu ermöglichen. Dabei soll der Wasserstand in den trockenen Sommermonaten – entsprechend dem ursprünglichen Charakter des Gebiets – durch Verdunstung allmählich sinken. Eine flache Überstauung von 20 bis 50 cm bietet für die meisten Wasservogelarten geeignete Brut- und Nahrungsbedingungen. Im Herbst wird das ausgetrocknete Gebiet erneut geflutet.
Da die Rekonstruktion nur einen Teil der ursprünglichen Fläche umfasst, wurden in den tiefer gelegenen Bereichen kleinere Teiche durch gezielte Vertiefungen angelegt, um unterschiedliche Wassertiefen zu schaffen. Aus dem dabei ausgehobenen Boden entstanden Inseln, die als geeignete Nistplätze für Möwenarten dienen. Zudem wurde sichergestellt, dass der Wasserspiegel der Teiche regulierbar ist, um die Auswirkungen von niederschlagsreichen oder trockenen Perioden zu berücksichtigen.
Nach den Entwässerungsmaßnahmen verschwanden viele der einst typischen Brutvogelarten oder traten nur noch vereinzelt auf. Über Jahrzehnte hinweg konnten – abgesehen von besonders niederschlagsreichen Frühjahren – kaum noch Säbelschnäbler, Stelzenläufer, Seeregenpfeifer oder Bruchwasserläufer beobachtet werden. Nach den gezielten Wiedervernässungen änderte sich dieses Bild jedoch grundlegend. Die ehemals verschwundenen Brutvögel kehrten zurück. Neben den genannten Arten brüten heute regelmäßig oder gelegentlich zahlreiche weitere Vogelarten in diesem Gebiet – etwa Kolbenente, Moorente, Lachmöwe, Schwarzkopfmöwe, Flussseeschwalbe, Uferschnepfe oder Rotschenkel – um nur einige zu nennen. Darüber hinaus stellt das Gebiet ein ausgezeichnetes Nahrungsbiotop für viele andere Vogelarten dar: für Reiher und Silberreiher, die in den Schilfgürteln des Sees brüten, für Löffler, Graugänse, zahlreiche durchziehende Wildgänse, Enten und Watvögel.
Fast das ganze Jahr über lassen sich hier mehrere tausend Wasservögel von den frei zugänglichen Beobachtungstürmen aus beobachten.
Besonderheiten der Gebietsbetreuung
Da sich die ursprünglichen ökologischen Verhältnisse in vielerlei Hinsicht verändert haben, erfordert das Gebiet der Lebensraumrekonstruktion eine kontinuierliche Pflege und Betreuung. Ziel dieser Maßnahmen ist es, die Wasserversorgung des Gebiets zu sichern und den salzhaltigen Charakter – einschließlich der für Salzlebensräume typischen Pflanzengesellschaften – zu erhalten.
Zur Verfügung stehen Schieber- und Schleusenanlagen, die eine zielgerichtete Wassersteuerung gemäß den jeweiligen Zielsetzungen ermöglichen. Damit kann je nach Bedarf eine gezielte Überflutung oder eine Absenkung des Wasserspiegels durchgeführt werden.
Es kommt vor, dass während der Brutzeit aufgrund plötzlich auftretender, starker Niederschläge der Wasserstand gesenkt werden muss. In niederschlagsarmen Wintern besteht hingegen die Möglichkeit, den Wasserstand im frühen Frühjahr wieder aufzufüllen. Später ist dies – wegen der Gefahr, die Brutvögel zu stören – nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich.
Aufgrund der bereits erwähnten Verlandung des Seebeckens ist stellenweise auch in den flach überstauten Bereichen eine zunehmende Schilfausbreitung zu beobachten. Da eines der Hauptziele der Rekonstruktion darin besteht, die ursprünglichen ökologischen Verhältnisse des stark verlandeten Uferbereichs wiederherzustellen, ist dieser Prozess unerwünscht. Zur Eindämmung der Schilfausbreitung werden jene Methoden eingesetzt, die auch früher zur Kontrolle der sich rasch ausbreitenden Wasserpflanzen beigetragen haben: Beweidung mit Ungarischem Graurind und Zackelschafen sowie partielle Mahd einzelner Flächen.
Das für die Überflutung eingerichtete Schleusensystem wurde so konzipiert, dass Wasser- und Trockenbereiche wechselseitig gestaltet werden können. Auf diese Weise kann die Bekämpfung der Verlandung erfolgen, ohne die Brutaktivitäten der Wasservögel zu gefährden.
Für die brütenden Vogelarten – etwa Graugans und verschiedene Watvogelarten – stellt der stark angewachsene Bestand an Füchsen und Wildschweinen in der Region ein erhebliches Problem dar. Beide Arten gefährden durch die Zerstörung von Eiern und Jungvögeln den Bruterfolg zahlreicher Wasservogelarten. Daher ist ein durchdachtes Wildtiermanagement unerlässlich.
Die weitgehende Ungestörtheit der Schutzgebiete wirkt stark anziehend auf Füchse und Wildschweine, weshalb deren Populationsdichte hier deutlich höher sein kann als in den umliegenden Gebieten. Besonders wichtig ist die regelmäßige Regulierung des Fuchsbestandes, da sich die Population dieser Art infolge ökologischer Veränderungen seit den 1990er-Jahren – etwa durch die Umstrukturierung der Landwirtschaft, veränderte Jagdgewohnheiten und das Tollwut-Immunisierungsprogramm – erheblich vergrößert hat, ähnlich wie in anderen Teilen Ungarns.





