Fertőrákos (Kroisbach) kann auf eine über achthundertjährige Geschichte zurückblicken. Am Rande des Dorfes liegt eine der außergewöhnlichsten Sehenswürdigkeiten der Region: der Bischöfliche Steinbruch. Wer hier eintritt, gelangt sofort in eine zauberhafte Welt – die mächtigen Säulen und weiten Hallen erinnern beinahe an ägyptische Felsentempel. Kein Zufall, denn bei der Steinbearbeitung wurden die Räume so angelegt, dass die Arbeiter geschützt arbeiten konnten. So entstanden diese beeindruckenden Säulenhallen.
Der Schatz des Steinbruchs liegt nicht nur im architektonischen Anblick, sondern auch in seiner geologischen Botschaft. Hier, im seichten Wasser des einstigen Pannonischen Meeres, bildeten winzige Kalkalgen den Kalkstein, in dem man noch heute Muscheln, Seeigel, Haifischzähne und andere fossile Überreste entdecken kann. Aus diesen Steinen entstanden die Mauern römischer Städte, später die markanten Gebäude von Sopron (Ödenburg), Győr (Raab) und Wien – und auch die berühmte Sankt Jakob-Kirche in Lébény (Leiden).
Der Steinbruch ist heute das westliche Tor des Nationalparks Fertő-Hanság. Für Naturliebhaber bietet der Ort ein besonderes Erlebnis, denn er beherbergt eine reiche Tier- und Pflanzenwelt. Auf den Steinen sonnen sich flinke Mauereidechsen und Smaragdeidechsen, auch die seltene Schlingnatter kommt hier vor. In den Felsspalten nisten Turmfalken und Mauersegler, im Winter kann man mit etwas Glück auch die Mauerläufer sehen. Auf dem Plateau des Steinbruchs wachsen Pflanzenarten der pannonischen Steppenhänge, wie etwa die große Kuhschelle, das Frühlings-Adonisröschen, der Zwerg-Schwertlilie sowie verschiedene Orchideenarten. Hervorzuheben sind zudem der streng geschützte Felsen-Kreuzdorn sowie die vom Aussterben bedrohte Heuschreckenart „Ungarische Plumpschrecke” (Isophya costata), die hier ebenfalls vorkommt.










