Das Naturschutzzentrum Csárda öffnete 2022 als Stützpunkt des Nationalparks Fertő–Hanság am Rand des Schilfmoores des Neusiedler Sees seine Pforten. Das renovierte Gebäude der ehemaligen Fischer-Csárda ist heute ein Zentrum für Naturschutz und Umweltbildung, wo Ausstellungen, Programme und Kanutouren auf die Besucher warten. Von hier startet auch der beliebte „Wasser-Löffelkraut“-Lehrpfad, der die verborgene Welt des Neusiedler Sees vorstellt.
Das Schilf, das fast 90 % des ungarischen Teils des Neusiedler Sees bedeckt, gehört zu den wertvollsten Lebensräumen des Nationalparks. Botanisch ist es zwar nicht besonders artenreich, da das Schilf die Fläche dominiert, dennoch birgt es bemerkenswerte Besonderheiten. In den Binnengewässern findet sich beispielsweise die in Ungarn seltene Gewöhnliche Teichbinse (Schoenoplectus lacustris), und in der Unterwasserwelt treten auch Gesellschaften von Wasserschläuchen auf.
Die Tierwelt ist dagegen umso reicher: Das Schilf ist die „Kinderstube“ der Fische – hier finden Europäischer Schlammpeitzger (Misgurnus fossilis), Karpfen (Cyprinus carpio), Zander (Sander lucioperca) und Hecht (Esox lucius) ihre Lebensbedingungen. Zehntausende Amphibien und Reptilien entwickeln sich hier, von Fröschen bis zu Molchen. Das größte Erlebnis bietet jedoch die Vogelwelt. Über 700 Paare Silberreiher (Ardea alba) brüten in diesem Gebiet, ebenso Graugänse (Anser anser), Purpurreiher (Ardea purpurea) und Löffler (Platalea leucorodia). Unter den selteneren Arten ragen die Moorente (Aythya nyroca) sowie die vielfältige Gemeinschaft der Schilfsänger hervor, darunter Blaukehlchen (Luscinia svecica) und Bartmeise (Panurus biarmicus). Von den Greifvögeln sind Seeadler (Haliaeetus albicilla) und Rohrweihe (Circus aeruginosus) ständige Bewohner des Schilfgürtels. Unter den Säugetieren sind die charmante Zwergmaus (Micromys minutus), das scheue Hermelin (Mustela erminea) sowie Fischotter (Lutra lutra) und Europäischer Biber (Castor fiber) vertreten; von den größeren Tieren streifen Wildschwein- und Hirschrudel durch das Dickicht.
Die Csárda ist nicht nur als Naturschutzzentrum von Bedeutung, sondern auch als kulturelle Erinnerungsstätte. Vor Jahrhunderten standen hier Fischerhütten, später wurde der Ort durch die Fischercsárda von Antal Kládler bekannt, die sowohl bei Einheimischen als auch bei Tourist:innen ein beliebter Treffpunkt war. Zur Csárda gehörten auch ein Bootsanleger und ein Dammweg, und selbst Badegäste kehrten hier gerne ein.




